Finanz und Wirtschaft - Kein typischer Devisenhändler

Finanz und Wirtschaft, 25. Juli 2009

Kein typischer Devisenhändler

Dem Aussenhandel wird in amerikanischen Wirtschaftslehrbüchern meist lediglich das letzte Kapital gewidmet. Für Schweizer Klein- und Mittelunternehmen (KMU) mit ihrem beschränkten Binnenmarkt haben Im- und Export dagegen grosses Gewicht. Für den Handel mit dem Ausland müssen sie Franken in andere Währungen umtauschen. Eine Lösung, die auf KMU zugeschnitten ist, bietet Christoph Abt: Er gründete 1999 die Aktiengesellschaft kmuOnline. Das Unternehmen mit neun Mitarbeitern im Tagesgeschäft betreibt die Internetseite www.wechselstube.ch.

«Christoph Abt und seine Homepage sind eins», scherzt der Basler über sich selbst. «Ich schaue am Morgen nicht mehr in den Spiegel, sondern in den Bildschirm.» E-Commerce, die elektronische Automatisierung von Prozessen, ermöglicht dem Neunundvierzigjährigen, den KMU deutlich bessere Wechselkurse als Banken zu offerieren. Sein offenes Geheimnis: Er bündelt Nachfrage und Angebot – Kleinstbeträge von 1 bis 250 000 Fr. – zu grossen Volumen und profitiert damit von geringeren Margen. Die Einsparungen werden in Form von günstigeren Devisenkursen und spesenfreien Auslandzahlungen an die Kunden weitergeleitet.
     Den Businessplan zum Geschäftsmodell hat der nicht computeraffine Abt ein halbes Jahr lang im Keller ausgebrütet, und dann den idealen Programmierer zur Durchführung gefunden. Er will keinen Schnickschnack anbieten, dementsprechend müssen Kunden auf der Homepage lediglich drei Fragen beantworten: Was für ein Währungspaar? Was für einen Betrag? Kauf oder Verkauf? Aktuelle Devisenkurse, Kursgrafiken und Einsparungen zu Devisenkursen der Banken sind zudem auch für Nichtkunden einsehbar.
     Der glücklich verheiratete Vater von zwei erwachsenen Söhnen legt Wert auf Vertrauen und Ehrlichkeit. Das habe man damals im Devisenhandel gelernt. Seine Lehre hat Abt beim Bankverein abgeschlossen und danach die Ausbildung zum Devisenhändler bei J. P. Morgan absolviert. Von 1991 bis 1999 war er als Leiter Devisenhandel Nordwestschweiz für UBS tätig. Trotz zwanzig Jahren Händlererfahrung bezeichnet sich der passionierte Segler und Berggänger nicht als typischen Devisenhändler – er sei ein äusserst vorsichtiger, risikoscheuer Mensch. Die Nutzung seiner Plattform für kriminelle Machenschaften ist eine Gefahr – dieses Risiko wird durch ein internes Kontrollsystem sowie mit einer Beschränkung auf Kunden mit Schweizer Domizil minimiert. Das Prinzip Know Your Customer und die Einhaltung der Sorgfaltspflichten sind Abt wichtig. Zudem basiert der Kundenbedarf an Fremdwährung auf kommerziellem Hintergrund und nicht auf Spekulation.

Das Unternehmen bedient derzeit 2500 Kunden, KMU und Privatpersonen mit einem durchschnittlichen Volumen pro Transaktion von 30 000 Fr. Die Finanzkrise habe zu klar weniger Geschäften geführt, beobachtet Christoph Abt. Doch gleichzeitig sei für seine Kunden der tiefe Euro interessant, verschobene Käufe würden nun realisiert. Expansionspläne hegt Abt in Richtung französische Schweiz. Und auch für das Tessin beginnt sich Abt zu rüsten – derzeit lernt er Italienisch. Und das Ausland? Er winkt ab – zu risikoreich. Halt kein typischer Devisenhändler. JR

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