SonntagsZeitung - Zwei Geldwechsler zeigen auf, dass bei Devisengeschäften 500 Millionen zu viel kassiert wurden

SonntagsZeitung, 18. Mai 2003

Zwei Geldwechsler zeigen auf, dass bei Devisengeschäften 500 Millionen zu viel kassiert wurden

VON RETO THÖNY

Zürich/Basel Seit gut zwei Jahren demonstrieren die beiden preisgekrönten Firmengründer Christoph Abt und Philipp Rudmann mit ihrer kleinen Handelsplattform www.wechselstube.ch, dass kleine und mittlere Unternehmen (KMU) den Banken für Devisen jährlich mehrere Hundert Millionen Franken zu viel zahlen. Abt und Rudmann, die ihre Dienstleistung seit Anfang 2000 im Basler Vorort Allschwil anbieten, zeigen damit auf, dass der Wettbewerb zwischen den Banken nur bedingt funktioniert.

Das Geschäftsprinzip der beiden ist einfach: Sie bündeln viele kleine Aufträge von KMU zu einem Ganzen und bieten dadurch ähnliche Konditionen an wie Banken ihren Grosskunden. Denn KMU, die nicht für mindestens 250 000 Franken Devisen wechseln, werden von den Banken mit den hohen Kosten für Kleinkunden belastet.

Das eigentliche Geheimnis des Erfolgs von Abt und Rudmann liegt aber in ihren vollautomatisierten Arbeitsprozessen. Diese ermöglichen Kostenvorteile, die die beiden in Form von günstigen Wechselkursen an ihre Kunden weitergeben. Wer beispielsweise in eine 60 000 Euro teure Maschine investiert, erhält zurzeit von www.wechselstube.ch einen Kurs, der ihn im Vergleich zum Angebot der Banken 846 Franken einsparen lässt.

Im letzten Jahr hat die Schweiz Waren im Wert von rund 280 Milliarden Franken ein- und ausgeführt. Gemäss vorsichtigen Schätzungen kamen rund 30 Prozent dieses Volumens durch Geschäfte von KMU zu Stande. Die von Abt und Rudmann angebotenen Wechselkurse sind im Schnitt um 0,6 Prozentpunkte günstiger als jene der Banken. Das bedeutet, dass die KMU im letzten Jahr Mehrkosten im Umfang von gut einer halben Milliarde Franken tragen mussten.

Dieser Wettbewerbsnachteil wiegt im gegenwärtigen konjunkturellen Umfeld besonders schwer. Am Freitag hat das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) mit andern Prognostikern in der Schweiz nachgezogen und für das laufende Jahr ein Nullwachstum vorhergesagt. Dabei wurde betont, dass ein Aufschwung in der Schweiz nur über mehr Exporte eingeleitet werden könne.

Damit stehen die Banken einmal mehr am Pranger. Ihre KMU-Kreditpolitik hat in der Vergangenheit harte Kritik provoziert. So äusserte etwa Johann Schneider-Ammann, Präsident von Swissmem, dem Verband der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie, wiederholt seinen Unmut gegenüber den Banken, die den Zinsvorteil nicht an die KMU weitergeben würden.

KMU «subventionieren» Banken mit jährlich 2 bis 3 Milliarden Franken

Der Lausanner Professor Thomas von Ungern-Sternberg ist diesbezüglich noch deutlicher: «Bei den KMU-Krediten gibt es eindeutig ein marktmächtiges Oligopol.» Die Wirtschaftszeitung «Cash» hat ausgerechnet, dass die KMU den Bankensektor mit jährlich 2 bis 3 Milliarden Franken «subventionieren».

Die Banken verteidigen sich damit, dass sie eine breitere Palette an Dienstleistungen als der Nischenanbieter aus Allschwil anbieten. Dazu gehöre nicht nur der Devisenumtausch, sondern etwa auch Fremdwährungszahlungen oder Beratungen. Dazu käme eine vergleichsweise grössere Infrastruktur. Die anfallenden Kosten würden im Kurs verrechnet.

Der Hinweis auf zusätzliche Dienstleistungen der Banken trifft aber nur bedingt zu. Denn www.wechselstube.ch bietet auch ein Riskmanagement, das die beiden Firmengründer Abt und Rudmann als «massgeschneidert für KMU» bezeichnen und welches erst noch kostenlos sei - bei den gegenwärtigen Kursschwankungen sei das ein nicht zu unterschätzender Service.