Handelszeitung - Ende eines Monopols

Handelszeitung, 6. Dezember 2002

Ende eines Monopols

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Nichts Geringeres als eine Demokratisierung des Devisenhandels verspricht Thierry Glauser der Schweiz. Er ist Chief Operating Officer der Realtime Forex, einer im Februar in Genf gegründeten Aktiengesellschaft. Realtime Forex, in der Schweiz die erste Gesellschaft ihrer Art, ermöglicht grossen und kleinen Akteuren den Handel am Devisenmarkt. Ihre Kunden, sagt Glauser, verfügten mit der gratis zur Verfügung gestellten Software über die gleichen Instrumente wie der Fachmann. ...]

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Einsparungen für KMU

Ebenfalls ausserhalb des Finanzcenters Zürich hat die KMU-Online AG in Allschwil, einem Vorort von Basel, www.wechselstube.ch lanciert. Das Angebot dieser Online-Plattform richtet sich an kleine und mittlere Unternehmen (KMU), die in ihrer Devisenbeschaffung im Gegenwert von bis zu 250'000 Fr. pro Tag Geld sparen wollen. Die KMU-Online verweist darauf, dass bis zu diesem Betrag die Wechselkonditionen sehr unattraktiv sind. Durch das Bündeln der einzelnen Kundenaufträge kann KMU-Online von Grosskundenkonditionen profitieren. Nach Angaben der Betreiber können so Kosteneinsparungen in der Grössenordnung von 40 bis 80% erzielt werden. Durch die Auftragsabwicklung über das Internet sind zudem alle Arbeitsprozesse automatisiert worden, was die Kosten zusätzlich in Schach hält. Der Kunde stellt übers Internet einen Antrag zum Abschluss des Devisengeschäfts. Den Gegenwert hat er innert 24 Stunden nach dem Online-Abschluss an die KMU-Online zu überweisen. Diese überweist die Devisen nach Möglichkeit am selben Tag, spätestens aber einen Bankarbeitstag nach Zahlungseingang an den Kunden.

Die Innovationen von Realtime Forex und KMU-Online decken verschiedene Bedürfnisse ab. KMU, die im Import-Export-Geschäft tätig sind, können durch die Devisenbeschaffung via KMU-Online nur gewinnen. Einsparungen von 40% und mehr fallen schnell einmal ins Gewicht. Realtime Forex richtet sich nicht an Akteure mit einem Devisenbedarf. Vielmehr gibt es Devisenmarktkennern, die mit ihren Spekulationen bisher an Devisen-Warrants mit ihren vielen Unterarten (siehe Kasten) gebunden waren, einen viel grösseren Spielraum. Ähnliche Dienstleistungen wurden bisher erst im Ausland, zum Beispiel durch die englische Currency Management Corporation (CMC), angeboten. Vom Margin Trade und von Devisen-Optionen sollte aber jeder die Finger lassen, der nichts davon versteht. Denn im Gegensatz zu den Aktienmärkten sind die Devisenmärkte sehr liquide und effizient. Relevante Informationen finden innert Sekunden in den Kursen Niederschlag, noch bevor sie den Privatanleger erreicht haben. Darum wird der Devisenmarkt in einem gewissen Sinne immer elitär bleiben, Demokratisierung hin oder her.

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