Basler Zeitung - «In der virtuellen Welt ist Vertrauen besonders wichtig»

Basler Zeitung, 27. November 2000

«In der virtuellen Welt ist Vertrauen besonders wichtig»

Zum «Neuunternehmer des Monats November 2000» wurde die KMU-Online AG aus Allschwil gewählt, die mit ihrer virtuellen Wechselstube einen neuen Handelsplatz für Devisen entstehen liess. Insbesondere für KMUs eröffnen sich neue Wege zur Devisenbeschaffung, wobei Kosteneinsparungen zwischen 40 und 80 Prozent realisiert werden können.

Basel. «Wer beim Devisenhandel Geld spart, hat es verdient», zitiert Christoph Abt das Credo, das er zusammen mit seinem Partner Philipp Rudmann für die Kunden des Internet-Devisenhandels www.wechselstube.ch formuliert hat. Die Dienstleistung, die sie anbieten, ist an sich überhaupt nichts Neues: Sie handeln mit Devisen - und beschränken sich dabei gar noch auf die Transaktion zwischen verschiedenen Bankkonten. Auf den Handel mit Noten und Münzen verzichten sie also ganz... Weshalb sprechen sie dann doch von Wechselstube und wo bleibt das neue, innovative und kreative Element?

«Einer der wichtigsten Vorzüge unserer Geschäftsidee ist die Tatsache, dass unser Handelssystem simpel und einfach zu handhaben ist und somit von allen sofort verstanden wird», erklärt Abt. «Deshalb lautet der Name auch www.wechselstube.ch - den kann man sich leicht merken, ausserdem entstehen keine Probleme beim Schreiben der Internetadresse.» Die KMU-Online bündelt Devisenaufträge verschiedener Kunden, um dadurch von günstigeren Konditionen zu profitieren. «Die Grenze liegt bei 250'000 Franken - für die Grossbanken ein Klacks, für unsere Kunden jedoch bereits jenseits von gut und böse», hält Philipp Rudmann fest. Der zweite Vorteil bestehe darin, dass KMU-Online die Transaktionen wesentlich effizienter und dadurch auch billiger durchführen könne. «Für die Betreuung unseres Kundenstammes, der unterdessen etwa 500 Betriebe und Privatpersonen umfasst, müsste eine Grossbank rund 10 Mitarbeitende einsetzen - wir benötigen dagegen gerade mal eine Person», beschreibt Abt den Kostenvorteil des Start-up-Unternehmens.

Transaktion in drei Schritten

Dies ist nur deshalb möglich, weil die gesamte Transaktion digital über das Internet erfolgt. Dabei wurde der ganze Prozess auf das Wesentliche reduziert, so dass der Kunde kaum mehr als fünf Minuten für ein Devisengeschäft aufwenden muss. «Der Kunde muss eigentlich nur drei Fragen beantworten, die ihm das System automatisch stellt», erklärt Rudmann, der die Hotelfachschule in Lausanne absolvierte und danach als Hotelier und Restaurateur seine Brötchen verdient hat. «Welches Währungspaar wird gewünscht? Welchen Betrag will der Kunde wechseln? Handelt es sich um einen Kauf oder um einen Verkauf?» Sobald diese Fragen beantwortet sind, zeigt das System den aktuellen Kurs an und berechnet gleichzeitig die Einsparung, die der Kunde gegenüber dem Handel mit einer Grossbank erzielt. «Die Einsparung beträgt zwischen 40 und 80 Prozent. Bei einem Betrag von beispielsweise 100'000 DM entspricht dies etwa 700 Franken», rechnet Christoph Abt vor. Danach muss der Kunde noch angeben, auf welches Bankkonto die gewünschte Währung transferiert werden soll. Sobald der Gegenwert der Transaktion in Franken auf dem zentralen Konto der KMU-Online bei der Zürcher Kantonalbank eingegangen ist, wird der Auftrag ausgeführt. «Wenn ein Kunde die gesamten Zahlungsanweisungen digital über Internet-Banking durchführt, geht das ganze Geschäft in ein bis zwei Tagen über die Bühne», so Abt weiter.

Inzwischen sind auch Banken, Vermögensverwalter und Versicherungs- gesellschaften auf das Handelssystem aufmerksam geworden. Abt und Rudmann haben deshalb ihre Software zum KmuOnlineTrader weiter entwickelt, so dass sie als Intranetlösung genutzt werden kann. «Wir stehen mit verschiedenen Interessenten im Gespräch», erklärt Rudmann. Man wolle die Handelsplattform jedoch nur ein paar wenigen Interessenten exklusiv anbieten.

Lokale Verankerung ist zentral

«Auch wenn unser Business vollständig virtuell abläuft, ist es für unsere Kundschaft zentral, dass sie wissen, wer hinter der ganzen Sache steht», hält Christoph Abt fest, der als ehemaliger Leiter des Devisenhandels der UBS Nordwestschweiz über genügend Erfahrung in dieser Branche verfügt. Das notwendige Vertrauen entstehe durch Besuche und den telefonischen Kontakt zum Kunden. «Wären wir irgendwo auf einer kleinen Kanalinsel domiliziert und nicht hier in Allschwil, würden uns die Kunden wohl kaum ihr Geld anvertrauen», zeigt sich Abt überzeugt. Ausserdem werde die Kundschaft auch während der Transaktion laufend via E-Mail über den Stand der Dinge informiert. Der Kunde weiss immer, wo sich sein Geld befindet, was von zentraler Bedeutung ist. «Da wir den gesamten Ablauf ständig online überwachen, können wir bei falschen oder vergessenen Eingaben auch sofort eingreifen», hält Rudmann fest.

KMU-Online AG, Gewerbestrasse 14, 4123 Allschwil, Tel. 061 483 08 80, Fax 061 483 08 83.